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Die Reise als Founder ist immer auch eine Reise zu dir selbst

links Jakob Reiter (mimirio), rechts: Natascha Trzepizur (INiTS)

Was du von Serial Entrepreneur Jakob Reiter lernen kannst

Die Reise als Founder ist immer auch eine Reise zu dir selbst.

Das klingt im ersten Moment wie ein Kalenderspruch, ist aber eine ziemlich nüchterne Realität.

Denn in einem Startup gibt es keinen Puffer. Keine klar definierten Rollen. Keine Prozesse, die deine Schwächen auffangen.

Alles läuft durch dich.

  • Deine Denkweise bestimmt, welche Probleme du überhaupt siehst
  • Deine Entscheidungen bestimmen die Geschwindigkeit
  • Deine Unsicherheiten bremsen oder beschleunigen dein Team

Kurz gesagt: Dein Startup ist kein System außerhalb von dir. Es ist ein Spiegel.

Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.

 

1. Du skalierst nicht nur dein Produkt, du skalierst auch deine Denkweise

 

Viele Founder denken bei Skalierung an mehr Nutzer*Innen, mehr Umsatz, mehr Struktur.

Was dabei oft übersehen wird: Bevor dein Produkt wächst, muss deine Denkweise mithalten.

Hier zeigt sich, warum die Gründung eines Unternehmens immer auch Selbstentwicklung ist. Denn wie du denkst, entscheidet darüber, wie schnell du lernst.

Jakob Reiter (mimirio)

Weniger hilfreich ist es zum Beispiel, wenn du:

  • Features optimierst, bevor du das Problem wirklich verstanden hast
  • Bestätigung suchst, statt bereit zu sein, falsch zu liegen
  • versuchst, alles alleine zu lösen, anstatt gezielt Unterstützung zu holen

Das Ergebnis sind langsame Lernzyklen.

Erfahrene Founder gehen anders vor:

  • Sie verlieben sich zuerst in das Problem, nicht in die Lösung
  • Sie denken in Hypothesen statt in Meinungen
  • Sie holen sich gezielt Perspektiven von außen

Warum?

Weil sie verstanden haben, dass ihre eigene Sicht begrenzt ist.

Vielleicht ist ja nicht das perfekte Produkt dein größter Hebel, vielleicht ist es die Qualität deines Denkens 😉

 

2. Blinde Flecken aufdecken

 

Die meisten Fehler im Startup fühlen sich nicht wie Fehler an. Sie fühlen sich eigentlich ganz logisch an.

Nachvollziehbar. Fast schon richtig.

Und genau deshalb sind sie so gefährlich.

Wer zu sehr am eigenen Produkt oder an der Technologie hängt, läuft schnell in typische Muster:

  • Interesse wird als Kaufbereitschaft interpretiert
  • In Gesprächen wird nur gehört, was die eigene Hypothese bestätigt
  • Aktivität wird mit Fortschritt verwechselt

Das Problem ist nicht fehlende Intelligenz. Das Problem ist fehlende Distanz.

In diesem Punkt wird die Reise zu dir selbst besonders sichtbar:

Du musst lernen, dich von deinen eigenen Annahmen zu lösen.

Das passiert natürlich nicht automatisch. Und ehrlich gesagt: alleine gelingt es selten gut.

Deshalb brauchen Founder etwas, das in der Startup-Welt noch zu wenig thematisiert wird: eine Form von Supervision.

Menschen, mit denen du nicht nur über Zahlen und KPIs sprichst, sondern über Unsicherheiten, Denkfehler und schwierige Entscheidungen.

Das können sein:

  • erfahrene Investor*innen oder Business Angels
  • Mentor*innen mit operativer Erfahrung
  • und ja, auch Therapeuten

Ohne Reflexion bleibst du in deiner eigenen Logik gefangen. Mit ihr erkennst du schneller, wo du dir selbst im Weg stehst.

 

3. Resilienz ist kein Mindset. Es ist ein System.

 

“Du musst resilient sein.” Das hört man oft.

Nur leider hilft’s wenig.

Resilienz ist kein Charakterzug, den man einfach hat oder nicht hat. Es ist etwas, das du aktiv aufbaust.

Jakob Reiter beschreibt im SCALEup Talk seinen Weg vom ersten bis zum vierten Unternehmen:

mehrere Startups, mehrere Rückschläge – und trotzdem kontinuierlicher Fortschritt.

Jakob weiß aus Erfahrung, wie Resilienz entsteht. Nämlich dann, wenn du lernst:

  • Fehler nicht zu vermeiden, sondern schneller zu erkennen
  • sie nüchtern zu analysieren, statt persönlich zu nehmen
  • dir gezielt Unterstützung zu holen, statt dich zurückzuziehen
  • bewusst zu reflektieren und dann weiterzugehen

Und wer Jakob im Interview zuhört begreift, wie sehr es stimmt:

Die Reise als Founder ist immer auch eine Reise zu dir selbst.


Konkrete Takeaways

 

Wenn du etwas aus diesem Artikel direkt umsetzen willst:

1. Arbeite mit Hypothesen statt mit Annahmen

Formuliere bewusst: “Ich glaube, dass…” und teste es.

2. Suche gezielt nach Gegenargumenten

Die wertvollsten Insights kommen selten von Zustimmung.

3. Verkürze deine Lernzyklen

Nicht Perfektion bringt dich weiter, sondern Geschwindigkeit.

4. Baue dir ein Reflexionssystem

Schreibe auf, was du annimmst und in weitere Folge, was tatsächlich passiert.

5. Such dir bewusst Sparringspartner

Investorinnen, Business Angels, Mentorinnen und auch Therapeut*innen können genau die Perspektive liefern, die dir selbst fehlt.

6. Entwickle dich genauso bewusst wie dein Produkt

Deine Entscheidungen, dein Umgang mit Unsicherheit und dein Lernverhalten sind zentrale Hebel.


Ein letzter Gedanke zum Schluss

 

Viele Founder starten mit der Frage:

“Wird meine Idee funktionieren?”

Die bessere Frage ist:

“Bin ich in der Lage, schnell genug zu lernen, damit sie funktioniert?”

Dein Startup ist ein Lernprozess und du bist der wichtigste Teil davon.

Du baust nicht nur ein Unternehmen auf. Du entwickelst auch die Person, die dieses Unternehmen führt.

—> Hier geht’s zum SCALEup Talk mit Jakob Reiter 

 

Über Jakob Reiter

Jakob Reiter ist ein Serienunternehmer mit langjähriger Erfahrung im Startup-Ökosystem. Als (Mit-)Gründer von vier Startups (darunter auch TheVentury) verfügt er über eine einzigartige Perspektive auf die Herausforderungen und Chancen des Unternehmertums.

Derzeit leitet er Mimirio, ein Unternehmen, das sich darauf konzentriert, KI für europäische Anwendungen zu nutzen und dabei den Datenschutz sowie die Einhaltung lokaler Vorschriften zu gewährleisten.

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