07.10.2013 von Daniel Tran

Jeans Geld

Eine im Uni-Labor entdeckte Methode zum umweltfreundlichen Aufhellen von Jeans ist dank INiTS für die industrielle Anwendung fertig. Neben der Weiterentwicklung der Methode erfolgte im INiTS-Inkubator die betriebswirtschaftliche Basis zur Gründung des Start-ups Acticell. Dieses bietet das enzymatische Verfahren als Lizenz an und wird gleichzeitig ein dazu notwendiges Produkt vertreiben. Die Kombination erlaubt die Herstellung des beliebten „used-look“ von Jeans ohne chemischen Bleichprozess. Tatsächlich wird der bestehende Fertigungsprozess so clever adaptiert, dass er zukünftig für Umwelt und Gesundheit eine vernünftige Lösung bietet.

Drei Milliarden Jeans gehen jährlich über den Ladentisch. Viele davon gebraucht – zumindest was den Look betrifft. „Used-look“ bleibt beim Konsumenten beliebt. Weniger so bei der Umwelt und der Gesundheit von Textilarbeitern. Denn zur Herstellung dieses Finishes müssen entweder aggressive Bleichmittel oder gesundheitsschädliche mechanische Prozesse eingesetzt werden. Ein smartes Verfahren eines Wissenschafters der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) macht damit nun Schluss.

Hell statt bleich

Das von DDI Christian Schimper und Prof. Thomas Bechtold (Universität Innsbruck) entwickelte Verfahren beruht dabei auf biologischen Enzymen, die auf sanfte Weise die Fasern des Jeansstoffes verändern. Anstatt wie sonst üblich den Farbstoff Indigo zu bleichen wird dieser dabei aus der Faser herausgelöst. So kann der natürliche weiße Farbton der Baumwollfaser durchscheinen und den gewünschten Look erzeugen.

Der Clou der Methode: Die verwendeten Enzyme sind bereits Teil des normalen Herstellungsverfahrens. Dort sorgen sie für eine grundlegende Aufhellung der gesamten Jeans. Partielle Bleichungen, wie sie zum used-look gehören, werden nachträglich durch aggressive Chemikalien oder gesundheitsschädliches Sandstrahlen erzeugt. Zukünftig kann darauf verzichtet werden. Der von Christian Schimper mitentwickelte Enzymbooster namens „Acticell“ lässt die Enzyme effizienter arbeiten – doch nicht überall. Seine Wirkung kann gesteuert werden. Dort, wo er aufgebracht wird, erfolgt während der grundlegenden Aufhellung eine deutlich stärkere Aufhellung.

Zu dem kommerziellen Potenzial meint die Geschäftsführerin der INiTS Universitäres Gründerservice GmbH, Dr. Irene Fialka: „Der Markt für Jeans ist milliardenschwer, gebleichte Jeans haben einen großen Anteil davon. Ein Verfahren, das einen gesamten Herstellungsschritt einspart und auch noch Umwelt und Gesundheit der in der Herstellung Beschäftigten schont, hat große Chancen. Damit diese von Beginn an voll genutzt werden, haben wir das Acticell-Team für den effizienten Markteintritt vorbereitet, gemeinsam einen Marketingplan und die Unternehmensdokumentation überarbeitet und unterstützen sie auch bei der Kapitalsuche.“

Nahtlose Integration

Dazu Christian Schimper: „Der weltweite Markt für partielle Aufbleichung ist tatsächlich ca. EUR 270 Millionen groß. Wir streben in den nächsten Jahren einen Marktanteil von fünf Prozent an. Das ist ein absolut realistisches Ziel. Denn die Möglichkeit, unsere Methode nahtlos in bestehende Herstellungsprozesse zu integrieren, ist ein riesiger Vorteil.“ Ein Vorteil, den mehrere Hersteller von Spezialchemikalien bereits erkannt haben. Diese wurden mit Unterstützung von INiTS identifiziert und angesprochen und erwiesen sich für das Team von Acticell als wertvolle Gesprächspartner um das Geschäftsmodell zu optimieren.

Vertrieben wird Acticell zukünftig über ein gleichnamiges Unternehmen, das Lizenzen für den neuen Aufhellungsprozess vergeben wird. Bei der Entwicklung des Produktes fokussierten Christian Schimper und sein Team von Beginn an auch auf kleine Details. So wurde z. B. die Stabilität des Produkts für tropische Klimabedingungen genau beobachtet – denn die meisten Jeans-Produzenten haben ihre Anlagen in heißen asiatischen Ländern. Dort müssen Arbeiter oftmals Kaliumpermanganat als Bleichmittel auf die Jeans sprühen, wobei ein Einatmen des Oxidationsmittels und der entstehenden Radikale nicht ganz vermieden werden kann. Eine Gefahr, die bei Acticell nicht besteht.

Auch die Entfernung bzw. Neutralisierung des Kaliumpermanganats aus den gebleichten Jeans ist nicht ganz ohne Gefahr. Die entstehenden Abwässer sind umweltbelastend und müssen kostenaufwendig behandelt werden. Dass sie beim neuen Verfahren ganz wegfallen, möchte Christian Schimper den Endkonsumenten wissen lassen: „Der neue Prozess soll zukünftig auch zertifiziert werden. Dann können die Jeans ein entsprechendes Label tragen und den Konsumenten über die vorteilhafte Herstellungsmethode informieren“.

  • NEWSLETTER

  • Tags

  • Über INiTS

    INiTS hat sich als Business-Inkubator das Ziel gesetzt, die Erfolgswahrscheinlichkeit von Startups im Raum Wien zu erhöhen. Dabei unterstützt INiTS JungunternehmerInnen dabei, ihre Ideen in ein wachstumsstarkes und erfolgreiches Unternehmen umzusetzen. more

© INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH, eine Gesellschaft von:

  • Logo TU Wien
  • Logo Uni Wien

Gefördert von:

  • Logo Wirtschaftsagentur
  • Logo FFG